Geben & Nehmen

Nicht jedes Geben ist Fülle

 

Wochenmeditation

Vielleicht hast du in den vergangenen Tagen bemerkt, wie ungewohnt es sein kann, etwas einfach anzunehmen.

Ein Kompliment.

Hilfe.

Ruhe.

Zeit.

Aufmerksamkeit.


Vielleicht hast du bemerkt, dass in dir sofort eine Bewegung entsteht:

Ich muss etwas zurückgeben.

Ich darf nicht zu viel nehmen.

Ich komme schon alleine zurecht.

Oder vielleicht ist dir etwas ganz anderes begegnet.

 


 

Wenden wir uns nun der anderen Seite zu.

Dem Geben.


Und vielleicht magst du zunächst einfach wahrnehmen, wie dieses Wort in dir klingt.

G E B E N.

 

Was bedeutet es für dich?

Ist es etwas Schönes?

Etwas Selbstverständliches?

Oder vielleicht etwas, das du sehr gut kannst.

Vielleicht sogar zu gut.

Vielleicht hast du früh gelernt, für andere da zu sein.

Zu helfen.

Dich anzupassen.

Zu spüren, was andere brauchen.

Vielleicht hast du dadurch viel gegeben.

Und vielleicht hast du dabei manchmal vergessen, dich selbst zu fragen:

Was brauche eigentlich ich?

 

Deshalb geht es heute nicht darum, weniger liebevoll zu sein.

Es geht auch nicht darum, weniger zu geben.

Es geht um etwas Feineres.

Darum, unterscheiden zu lernen.

Wann gebe ich aus freiem Herzen?

Und wann gebe ich, weil ich Angst habe?

Wann gebe ich, weil etwas in mir lebendig ist?

Und wann gebe ich, weil ich gebraucht werden möchte?

Wann ist mein Ja wirklich ein Ja?

Und wann steckt hinter meinem Ja eigentlich ein Nein?


Du musst heute auf keine dieser Fragen eine Antwort finden.

Du darfst sie einfach mitnehmen.

Vielleicht spürst du deinen Atem.

Vielleicht deine Füße.

Vielleicht die Fläche unter dir.

Du musst gerade nichts leisten.

Nichts lösen.

Nichts geben.

Du darfst einfach hier sein.

 

Und vielleicht stellst du dir nun vor, dass in deiner Mitte etwas ganz ruhig fließt.

Wie ein kleiner Bach.

Du musst ihn nicht antreiben.

Du musst nichts produzieren.

Er fließt.

Manchmal schneller.

Manchmal langsamer.

Manchmal kaum sichtbar.

Und vielleicht ist Fülle genau das:

Nicht festhalten.

Nicht ausströmen müssen.

Sondern in Bewegung bleiben.

 

Vielleicht fragst du dich:

Was möchte durch mich hindurchfließen?

Vielleicht ist es Liebe.

Vielleicht Kreativität.

Vielleicht Wissen.

Vielleicht Ruhe.

Vielleicht Humor.

Vielleicht Mut.

Vielleicht Fürsorge.

Vielleicht etwas ganz anderes.

Du musst es nicht wissen.

 

Und dann frage dich:

Was möchte ich nicht mehr geben?

Vielleicht Zeit.

Vielleicht Energie.

Vielleicht Erklärungen.

Vielleicht meine ständige Verfügbarkeit.

Vielleicht die Verantwortung für die Gefühle anderer.

Vielleicht mein eigenes Übergehen.

 

Wenn etwas auftaucht, musst du es nicht verändern.

Du darfst einfach sagen:

Ich sehe es.

 

Und vielleicht gibt es nun noch eine andere Frage:

Was darf zu mir zurückkommen?

Was gebe ich anderen so selbstverständlich und verweigere es mir selbst?

Geduld.

Wärme.

Anerkennung.

Vergebung.

Aufmerksamkeit.

Ruhe.

 

Vielleicht darf heute ein wenig davon zurückfließen.

Zu dir.

Nicht weil du es verdient hast.

Sondern weil du ein Mensch bist.

 

Und vielleicht kannst du dir ganz leise sagen:

Ich darf geben.

Ich darf nehmen.

Ich darf Nein sagen.

Ich darf Ja sagen.

Ich darf mich selbst dabei behalten.

 

Ich darf geben, ohne mich zu verlieren.

Ich darf empfangen, ohne mich schuldig zu fühlen.

Ich darf in Beziehung sein.

Und ich darf dabei ich selbst bleiben.

 

Atme noch einmal ruhig ein.

Und aus.

Nimm wahr, was jetzt da ist.

Vielleicht mehr Klarheit.

Vielleicht eine Frage.

Vielleicht ein Gefühl.

Vielleicht auch gar nichts Besonderes.

Auch das darf sein.


Und nimm nur diesen einen Satz mit in deinen Tag:

Was möchte heute durch mich hindurchfließen?

 

Du musst die Antwort nicht erzwingen.

Vielleicht zeigt sie sich von selbst.

 

 


 

23. Oktober

Ritual der Fülle

Nimm eine Schale, ein Glas oder einen Korb.

 

Lege hinein:

Etwas, das ich geben möchte. 

Etwas, das ich empfangen möchte. 

Etwas, das ich nicht mehr geben möchte. 

Etwas, das ich mir selbst schenken möchte.


Dann tauche einige Minuten in die Stille ein und nimm die beiden folgenden Sätze mit in deine Meditation:

 

Fülle bedeutet nicht, alles zu haben.


Fülle bedeutet, in Beziehung mit dem zu sein, was durch mich fließen möchte.

 

 


22. Oktober

Was darf zu mir zurückkommen?

Ein wichtiger Gegenschritt.

Was gebe ich ständig – und erlaube mir selbst kaum zu empfangen?


Vielleicht:

  • Anerkennung

  • Zärtlichkeit

  • Geduld

  • Zeit

  • Vergebung

  • Aufmerksamkeit

  • Vertrauen

  • Hilfe

  • Ruhe

 

 

Die Frage des Tages lautet:

Wenn ich anderen genau das geben kann – warum sollte ich es mir selbst verweigern?

 

 


21. Oktober

Ein Tag des freien Gebens

Eine kleine Alltagspraxis:

 

Heute gibst du etwas, das nichts kostet und keine Gegenleistung verlangt.

Zum Beispiel:

  • ein ehrliches Kompliment

  • Aufmerksamkeit

  • eine Nachricht

  • Zeit

  • einen Spaziergang mit jemandem

  • ein selbstgemaltes Bild

  • ein Lächeln

  • einen Moment wirklichen Zuhörens

 

Aber:

Nur wenn es sich wirklich nach einem Ja anfühlt.

 

Danach stelle dir die Frage:

Wie fühlt es sich an, etwas zu geben, ohne dich gebraucht oder verpflichtet zu fühlen oder Erwartungen daran zu knüpfen?

 


 

20. Oktober

Gegenseitigkeit

Heute geht es um unsere Beziehungen.

Fülle entsteht nicht nur zwischen „ich gebe“ und „du nimmst“, sondern in einem lebendigen Austausch.

 

Dazu stellen wir uns folgende Fragen:


  • Welche Beziehungen fühlen sich nährend an?

  • Wo darf ich mich zeigen?

  • Wo darf ich schwach sein?

  • Wo wird mein Geben gesehen?

  • Wo darf ich selbst gehalten werden?

  • Wo gibt es ein Ungleichgewicht?

  • Wo versuche ich, durch mein Geben eine Beziehung aufrechtzuerhalten?

 

Und sehr wichtig:

Welche Beziehung würde sich verändern, wenn ich aufhöre, ständig etwas zu leisten?

 


19. Oktober

Geben ohne Selbstverlust

Heute schauen wir auf unsere innere Balance.

 

Wo endet Fürsorge und wo beginne ich, mich selbst zu verlassen?

 

Dabei helfen uns die folgenden Fragen:

  • Woran merke ich, dass mein Geben mich nährt?

  • Woran merke ich, dass es mich erschöpft?

  • Wie fühlt sich ein freies Geben im Körper an?

  • Wie fühlt sich ein Geben aus Angst an?

  • Was brauche ich, damit ich geben kann, ohne mich selbst zu verlieren?

 

 

Vielleicht machen wir dazu eine kleine Körperübung.

Dazu legen wir die Hand auf Brust oder Bauch und spüren nach, wie sich unsere Antworten anfühlen.

„Sagt unser Körper Ja?“

„Ist das eher ein Nein?“

„Oder brauche ich noch Zeit?“

 

Bei dieser Übung geht es nur ums Wahrnehmen.

Wir müssen noch nichts entscheiden.



 


 

18. Oktober

Was möchte durch mich fließen?

Jetzt darf die Woche wieder weiter werden.

Nicht:

„Was muss ich der Welt geben?“

Sondern:

Was in mir ist so lebendig, dass es seinen Weg nach Außen sucht?

 

Das kann ganz unspektakulär sein:

  • ein Gespräch

  • ein Bild

  • eine Idee

  • ein Rezept

  • ein Garten

  • eine Berührung

  • ein Lachen

  • Wissen

  • Ruhe

  • Mut

  • Schönheit

  • Aufmerksamkeit

  • eine Geschichte

  • Zeit

 

 

Kreative Übung:

„Mein Geschenk an die Welt“

 

Bitte gestalte eine Seite mit der Überschrift:

Das möchte durch mich fließen.

Wörter, Farben, Bilder, Formen, Sätze.

Alles ist möglich.

 


17. Oktober

Das Nein

Das Nein bekommt einen eigenen Tag.

 

Nicht als Abgrenzung, sondern als Frage nach Lebendigkeit.

Ein Nein schützt manchmal genau das, was in uns wachsen möchte.


Übung:

Bitte sammle zehn Situationen, in denen du in letzter Zeit „Ja“ gesagt hast.


Daneben notiere jeweils:

Mein echtes Ja / mein echtes Nein / ich weiß es nicht

 

 

Denke anschließend über die folgenden Fragen nach:

  • Wo habe ich Ja gesagt, obwohl mein Körper Nein gesagt hat?

  • Wo habe ich Nein gesagt und mich danach schuldig gefühlt?

  • Wo wünsche ich mir ein Nein, traue mich aber noch nicht?

  • Wo darf mein Nein einfach ein Nein sein?

 

 

Ein schöner Satz für diese Woche:

Ein Nein zu etwas ist manchmal ein Ja zu mir.

 

 


 

16. Oktober

Woher kommt mein Geben?

Schau dir einmal an, warum du gibst...

 

Ich gebe, weil …

  • ich Freude daran habe.

  • ich helfen möchte.

  • ich jemanden liebe.

  • ich mich verantwortlich fühle.

  • ich gebraucht werden möchte.

  • ich Angst vor Ablehnung habe.

  • ich Schuldgefühle bekomme.

  • ich Harmonie herstellen möchte.

  • ich etwas zurückbekommen möchte.

  • ich gar nicht weiß, wie ich Nein sagen soll.

 

Die entscheidende Frage ist:

Was passiert in mir, wenn ich nicht gebe?

 

Und noch ein Impuls zum Nachdenken:

Was würde ich geben, wenn ich sicher wäre, dass ich auch dann geliebt und wertvoll bin, wenn ich nichts gebe?

 

 


 

 

15. Oktober

TEILEN UND EMPFANGEN 

 

Wie fühlt es sich für dich an, wenn jemand etwas von dir braucht?

Manche Menschen können sehr leicht geben, aber kaum empfangen. Andere geben, weil sie sich dadurch sicher, gebraucht oder wertvoll fühlen. Wieder andere haben gelernt, dass Geben eine Form von Beziehungssicherung ist.

 

Lass dich von diesen Fragen durch den Tag begleiten:

  • Was gebe ich leicht?

  • Was fällt mir schwer zu geben?

  • Was gebe ich, obwohl ich eigentlich keine Kraft habe?

  • Was nehme ich leicht an?

  • Was fällt mir schwer anzunehmen?

  • Wann fühle ich mich gebraucht?

  • Wann fühle ich mich ausgenutzt?

  • Wann fühlt sich Geben wirklich frei an?

 

Kernsatz:

Nicht jedes Geben ist Fülle.

Und nicht jedes Nehmen ist Bedürftigkeit.

 

 

 

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