Samhain I Die Schwelle
Pfad der Fülle
31. OKTOBER
SAMHAIN
Die Schwelle
Heute ist Samhain.
Gestalte dir einen kleinen Platz, an dem du dein Samhain-Ritual durchführen möchtest.
Du benötigst:
-
eine Kerze
-
eine Schale oder einen Teller
-
vier kleine Gegenstände aus der Natur oder dem eigenen Zuhause
-
eventuell ein Foto oder Erinnerungsstück
-
Papier und Stift
Die vier Gegenstände stehen für:
Was war.
Was bleibt.
Was gehen darf.
Was noch nicht sichtbar ist.
Vorbereitung
Nimm dir heute einen Ort, an dem du für eine Weile ungestört sein kannst.
Vielleicht hast du eine Kerze angezündet.
Vielleicht hast du eine Schale vor dir.
Und vielleicht liegen vier kleine Dinge neben dir.
Vier Dinge, die für deinen Weg stehen.
Eines für das, was war.
Eines für das, was bleibt.
Eines für das, was gehen darf.
Und eines für das, was noch nicht sichtbar ist.
Du musst nichts Besonderes finden.
Lass dich von dem leiten, was dich anspricht.
Meditation
Mach es dir bequem.
Spüre den Boden unter dir.
Den Stuhl.
Deine Füße.
Deinen Atem.
Heute musst du nichts mehr tun.
Du musst nichts verbessern.
Nichts erreichen.
Nichts loslassen, weil es von dir erwartet wird.
Heute darfst du einfach schauen.
Vielleicht stellst du dir vor, du stehst an einem Weg.
Hinter dir liegt der Herbst.
Die vergangenen Wochen.
Die Ernte.
Das Empfangen.
Das Geben.
Das Loslassen.
Vor dir liegt eine Schwelle.
Und dahinter ist noch nichts klar zu erkennen.
Du musst noch nicht wissen, was dort ist.
Vielleicht ist genau das ein Teil dieser Nacht.
Nicht alles muss sichtbar sein.
Nicht alles muss einen Namen haben.
Dreh dich in deiner Vorstellung noch einmal um.
Schau zurück.
Was hast du in diesem Herbst gesehen?
Was war bereits da?
Was hast du vielleicht lange übersehen?
Und nun frage dich:
Was habe ich empfangen?
Welche Menschen?
Welche Erfahrungen?
Welche Momente?
Welche Erkenntnisse?
Welche Ruhe?
Welche Hilfe?
Welche Freude?
Dann:
Was habe ich gegeben?
Was ist durch mich in die Welt geflossen?
Vielleicht mehr, als du denkst.
Vielleicht weniger, als du glaubst, geben zu müssen.
Und schließlich:
Was darf gehen?
Du musst nichts erzwingen.
Vielleicht gibt es etwas.
Vielleicht auch nicht.
Vielleicht ist heute nur ein wenig weniger Festhalten möglich.
Auch das genügt.
Nun richte deine Aufmerksamkeit auf das, was vor dir liegt.
Auf die Dunkelheit.
Auf das Noch-nicht-Wissen.
Auf das, was noch keinen Namen hat.
Vielleicht stellst du dir einen kleinen Samen vor.
Er liegt in dunkler Erde.
Von außen sieht man nichts.
Kein Wachstum.
Keine Blüte.
Keine Bewegung.
Und doch ist etwas da.
Du musst deinen Samen nicht ausgraben, um zu überprüfen, ob er wächst.
Du musst ihn nicht jeden Tag kontrollieren.
Du darfst ihm seine Zeit lassen.
Vielleicht gibt es auch in deinem Leben etwas, das gerade noch nicht sichtbar ist.
Eine Veränderung.
Eine Idee.
Eine Heilung.
Eine Begegnung.
Eine Entscheidung.
Ein neuer Weg.
Oder einfach eine andere Art, mit dir selbst zu sein.
Du musst heute nicht wissen, was daraus wird.
Du darfst dem Noch-nicht vertrauen.
Vielleicht sagst du dir:
Ich muss noch nicht wissen.
Ich darf warten.
Ich darf ruhen.
Ich darf dem Leben Zeit lassen.
Und vielleicht nimmst du nun einen Atemzug.
Ein.
Und aus.
Du stehst an der Schwelle.
Hinter dir liegt, was gewesen ist.
Vor dir liegt, was kommen wird.
Und genau hier bist du.
Nicht dort.
Nicht dort.
Hier.
Vielleicht ist das genug.
Wenn du möchtest, sprich innerlich:
Ich ehre, was war.
Ich bewahre, was mir kostbar ist.
Ich lasse gehen, was nicht mehr getragen werden möchte.
Und ich vertraue dem, was noch im Verborgenen wächst.
Noch einen Atemzug.
Spüre deinen Körper.
Spüre den Raum.
Vielleicht öffnest du langsam die Augen.
Die Schwelle muss nicht heute überschritten werden.
Vielleicht reicht es, sie wahrgenommen zu haben.
Und vielleicht gehst du heute mit diesem Satz in die Nacht:
Ich darf dem Unbekannten vertrauen.
Das Samhain-Ritual
Lege deine vier Gegenstände vor dich.
1. WAS WAR
Nimm den ersten Gegenstand in die Hand.
Frage dich:
Was aus diesem Jahr möchte ich würdigen?
Nicht nur das Schöne.
Auch das Schwierige, das dich verändert hat.
Lege den Gegenstand bewusst ab.
2. WAS BLEIBT
Nimm den zweiten Gegenstand.
Was möchte ich bewahren?
Eine Beziehung.
Eine Erkenntnis.
Eine Fähigkeit.
Eine Haltung.
Etwas, das zu mir gehört.
Lege den Gegenstand an einen Ort, an dem du ihn in den kommenden Wochen sehen kannst.
3. WAS DARF GEHEN
Nimm den dritten Gegenstand.
Was möchte ich nicht länger tragen?
Du musst nichts zerstören.
Vielleicht legst du den Gegenstand für eine Weile beiseite.
Vielleicht gibst du ihn später der Erde zurück.
Vielleicht löst du dich einfach innerlich von etwas.
Wähle die Form, die sich für dich stimmig anfühlt.
4. WAS DARF IM DUNKELN WACHSEN
Nimm den vierten Gegenstand.
Vielleicht ist er ganz klein.
Vielleicht ein Samen, eine Kastanie, ein Stein.
Frage dich:
Was muss ich noch nicht wissen?
Was darf einfach Zeit haben?
Was möchte in mir wachsen, ohne dass ich es antreiben muss?
Bewahre diesen Gegenstand.
Vielleicht legst du ihn neben dein Bett.
Vielleicht in eine Schale.
Vielleicht an einen Ort, den du im Winter immer wieder siehst.
Abschluss
Lösche die Kerze nicht sofort.
Bleibe noch einen Moment sitzen.
Und sprich – laut oder leise:
Ich ehre, was war.
Ich empfange, was ist.
Ich lasse gehen, was gehen darf.
Und ich vertraue dem, was noch nicht sichtbar ist.
Dann darf der Abend langsam ausklingen...